früher
[hörtext aus dem album EINS]
früher war alles besser
da trugen die jungen leute hosen und kleidung, von denen man den
eindruck hatte, dass sie ihnen passen
früher war alles besser,
da hörte man noch lieder, die ein ende hatten, nicht nahtlos
und konturlos ineinander übergingen
früher war alles besser
da konnte man die kriminellen noch von den anderen jungen leuten
unterscheiden, weil niemand wirklich das bedürfnis hatte, kriminell
auszusehen
früher war alles besser
da hatten videospiele noch vernünftige ladezeiten von datasette
früher war alles besser
weil musiker noch ihre lieder selber schrieben, naja wenigstens haben
die meisten das behauptet und ich hab’s geglaubt
früher war alles besser
da schwitzten die menschen weniger, weil sie netzhemden trugen und
turnschuhe, die wie zweifamilienhäuser aussahen, noch nicht erfunden
waren
früher war alles besser
mit vampiren, nicht in fernsehserien, sondern in filmen
früher war alles besser
und briefe noch in umschlägen, die total ekelhaft geschmeckt haben
früher war alles besser
und leute in meinem alter beklagten sich nicht ständig darüber,
dass früher alles besser war
meine meinung
[hörtext
aus dem album EINS]
eigentlich ist es doch viel zu
unbequem
eine eigene meinung zu haben
und
wer hat eigentlich gesagt
dass man eine haben muss
wird es nicht viel zu hoch bewertet
und
lässt es sich nicht auch gut
mit der meinung anderer menschen leben
das erspart viele unannehmlichkeiten
und lässt einem genug zeit
darüber nachzudenken
wie viel sinn es macht zu widersprechen
und
überhaupt ist es viel kommunikativer
sich fremder meinungen anzuschliessen
man brauch in keinem gespräch
in peinliche detailvertiefungen zu gehen
und muss somit viel weniger
von sich selbst preisgeben
ausserdem braucht man sich keine sorgen zu machen
dass man von anderen menschen
als komisch oder querolant empfunden wird
mal ganz objektiv betrachtet
bringt ihnen eine eigene meinung
nichts als ärger
denn die menschen die durch sie
bereit sind ihre meinung zu ändern
sind die mühe wirklich nicht wert
und die standhaften
könnten sie selbst nicht ins straucheln bringen
was am ende dazu führt
das sie ihre meinung erneut ändern müssten
wobei mir gerade auffällt
das es furchtbar anstrengend ist
meine meinung hierzu kund zu tun
dummheit
[hörtext
aus dem album EINS]
dummheit ist der luxus
sich
mit quälenden existenzsorgen
und elementaren fragen
in der dritten person zu beschäftigen
die verantwortung seines
geistesinhaltes
zu delegieren und freiheit
in einem limitierten schuhkarton
und
dem fragilen konstrukt des selbstbetruges zu finden
das lebensglück dort anzusiedeln
wo elementare bedürfnisse befriedigt
und die kompromissbereitschaft
nicht überstrapaziert wird
das streben stets nach
zufriedenheit
und nicht nach sinn auszurichten
und somit jeden gedanken der selbstkritik
im keim zu ersticken
also ein lebenslanger urlaub
von allen eigenschaften
die mir das leben tag für tag so schwer machen