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▫▫▫ worte + (hör)texte

 


früher
[hörtext aus dem album EINS]

früher war alles besser
da trugen die jungen leute hosen und kleidung, von denen man den eindruck hatte, dass sie ihnen passen

früher war alles besser,
da hörte man noch lieder, die ein ende hatten, nicht nahtlos
und konturlos ineinander übergingen

früher war alles besser
da konnte man die kriminellen noch von den anderen jungen leuten unterscheiden, weil niemand wirklich das bedürfnis hatte, kriminell auszusehen

früher war alles besser
da hatten videospiele noch vernünftige ladezeiten von datasette

früher war alles besser
weil musiker noch ihre lieder selber schrieben, naja wenigstens haben die meisten das behauptet und ich hab’s geglaubt

früher war alles besser
da schwitzten die menschen weniger, weil sie netzhemden trugen und turnschuhe, die wie zweifamilienhäuser aussahen, noch nicht erfunden waren

früher war alles besser
mit vampiren, nicht in fernsehserien, sondern in filmen

früher war alles besser
und briefe noch in umschlägen, die total ekelhaft geschmeckt haben

früher war alles besser
und leute in meinem alter beklagten sich nicht ständig darüber,
dass früher alles besser war


meine meinung
[hörtext aus dem album EINS]

eigentlich ist es doch viel zu unbequem
eine eigene meinung zu haben
und
wer hat eigentlich gesagt
dass man eine haben muss
wird es nicht viel zu hoch bewertet
und
lässt es sich nicht auch gut
mit der meinung anderer menschen leben
das erspart viele unannehmlichkeiten
und lässt einem genug zeit
darüber nachzudenken
wie viel sinn es macht zu widersprechen
und
überhaupt ist es viel kommunikativer
sich fremder meinungen anzuschliessen
man brauch in keinem gespräch
in peinliche detailvertiefungen zu gehen
und muss somit viel weniger
von sich selbst preisgeben
ausserdem braucht man sich keine sorgen zu machen
dass man von anderen menschen
als komisch oder querolant empfunden wird
mal ganz objektiv betrachtet
bringt ihnen eine eigene meinung
nichts als ärger
denn die menschen die durch sie
bereit sind ihre meinung zu ändern
sind die mühe wirklich nicht wert
und die standhaften
könnten sie selbst nicht ins straucheln bringen
was am ende dazu führt
das sie ihre meinung erneut ändern müssten
wobei mir gerade auffällt
das es furchtbar anstrengend ist
meine meinung hierzu kund zu tun


dummheit
[hörtext aus dem album EINS]

dummheit ist der luxus
sich mit quälenden existenzsorgen
und elementaren fragen
in der dritten person zu beschäftigen

die verantwortung seines geistesinhaltes
zu delegieren und freiheit
in einem limitierten schuhkarton
und dem fragilen konstrukt des selbstbetruges zu finden

das lebensglück dort anzusiedeln
wo elementare bedürfnisse befriedigt
und die kompromissbereitschaft
nicht überstrapaziert wird

das streben stets nach zufriedenheit
und nicht nach sinn auszurichten
und somit jeden gedanken der selbstkritik
im keim zu ersticken

also ein lebenslanger urlaub
von allen eigenschaften
die mir das leben tag für tag so schwer machen

 


eins
[aus dem album EINS]

warum tun wir eigentlich immer so
als wenn wir unsterblich wären
wir beschäftigen uns tagein-tagaus
mit unwichtigen dingen
und lassen die zeit vorbeiziehen
als wenn wir uns mit den wichtigen dingen
in einem späteren leben befassen könnten

wenn wir hierbei mal
von dem aktuellen kenntnisstand ausgehen
ist bis heute nicht bewiesen
dass man sich mit sicherheit darauf verlassen kann
in irgendeiner weise mehr
als die zeit eines lebens zur verfügung zu haben

wenn man diese annahme mal zugrunde legt
ist es doch eigentlich völlig unverständlich
dass wir uns bis zum ende unseres lebens
sorgen über dinge wie geld machen
allerdings ist das meiner meinung nach nicht der grösste fehler
was mir noch weitaus suspekter ist
ist die tatsache, wie wir die zeit zwischen anfang und ende verbringen

mein unverbindlicher vorschlag
für die zeit zwischen diesen beiden ereignissen wäre
sich von zeit zu zeit mal zurück ins bewusstsein zu rufen
dass punkt b ziemlich schnell erreicht werden kann
natürlich ohne sich dabei den weg zwischen a und b unnötig zu erschweren

da wir uns alle aber bestimmt
von niemanden sagen lassen möchten
wie solche vorschläge funktionieren
stelle ich einfach hiermit offiziell die kompetenz
des hier schreibenden menschen in frage
und bitte darum, den zuvor gemachten vorschlag ersatzlos zu streichen

sollte es also widererwarten dazu kommen
dass ich noch mal geboren werde
verspreche ich hiermit verbindlich
dass ich beim nächsten mal alles besser machen werde
bis dahin verbleibe ich den rest der zeit im ungewissen
beginne sofort damit, mir den rest der zeit so angenehm wie möglich zu gestalten
und mich mit der tatsache abzufinden
dass die anzahl an zur verfügung stehenden leben
eins ist


konsum
[hörtext aus dem album EINS]

kann man glück in kaufhausregalen finden
oder am kontostand messen
warum eigentlich nicht
empfinden sie kein glück
wenn sie zuhause ihre einkaufstaschen leeren
und nach jedem stadtzentrumsbeutezug
die erworbenen artikel auspacken
vielleicht sind wir denkenden menschen
einfach viel zu anspruchsvoll
oder neigen einfach dazu
von scheinbar einfachen lebensabläufen zuviel zu erwarten
und ihre bedeutung über zu interpretieren
jedenfalls kann ich die allgemein gültige behauptung
geld mache nicht glücklich nicht bestätigen
das wäre ja auch fatal, den woanders als in regalen
sollte ich damit anfangen nach glück zu suchen?
haben sie evt. eine idee
da ich ständig bemüht bin, sachen von ihrer positiven seite zu sehen
will ich versuchen die vorteile dieser sichtweise zu erläutern
bedenken sie doch
wenn meine vermutung richtig ist
haben sie laut gesetz ein, zwei wochen umtauschrecht auf ihr glück
nicht nur das
sie bekommen sogar eine zwei jahres garantie
allerdings nicht auf gebrauchtes glück
und nur bei ordnungsgemäßer handhabung
also kommen sie nicht auf die idee
durch unsachgemäße reparaturversuche
die garantie auf ihr eigenes glück in gefahr zu bringen
bitte überlassen sie das leuten, die was davon verstehen
und wenn ich irgendwann wirklich mal in der lage sein sollte
zu beurteilen, ob geld glücklich macht
lasse ich sie umgehend an meinem wissen teilhaben

bis dahin lass’ ich mir allerdings diese illusion
nichtmal vom dalai lama nehmen, der behauptet
das geld und materialismus nicht zum glück führen
allerdings weiss ich gar nicht, ob er das beurteilen kann


 

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